..... Wie ich zum Tönen kam und warum es mir ein Anliegen ist, dies weiter zu geben:
Als Kind liebte ich das Singen und praktizierte es mit Inbrunst und Begeisterung. Aber dann geschah etwas, was vielen ‐ wenn ich den Ausführungen von Fachleuten glauben kann, sogar den meisten Menschen ‐ widerfahren ist. In der zweiten Klasse wurden einige Lieder einstudiert, um sie vor der Kirchengemeinde beim Sonntagsgottesdienst vorzutragen. Ich habe mich sehr auf diesen Auftritt gefreut. Bei der ersten Probe kam der Lehrer plötzlich zu mir und blieb vor meinem Tisch stehen. Als er sich mehrmals während des Singens zu mir herunterbeugte und einen seltsamen Gesichtsausdruck trug, spürte ich instinktiv, dass irgendetwas nicht so war wie es sein sollte. Er unterbrach den Gesang der Gruppe und sagte mir, dass er mich in der Gruppe nicht gebrauchen könne, da ich den Klang der Gruppe durch mein angebliches „brummen“ stören wurde.
Ich verstand in diesem Moment nicht, was er mit diesen Worten ausdrucken wollte, spürte aber, dass mit mir irgendetwas nicht in Ordnung zu sein schien. Ich fragte ihn was ich tun sollte, woraufhin er antwortete, dass ich meine Sachen packen und sofort die Klasse verlassen sollte. Und während der folgenden Wochen, in denen die Lieder einstudiert wurden, durfte ich nicht mehr teilnehmen. Nicht mehr mitsingen zu dürfen, war für mich sehr schlimm. Jedoch auch noch aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden, hat das Ganze noch verstärkt. Der Lehrer wartete mit dem Weitersingen, bis ich vor den Augen all meiner Klassenkameraden und einigen Schülern aus anderen Klassen das Klassenzimmer verlassen hatte. Als ich die Tür hinter mir geschlossen hatte, hörte ich, wie die anderen wieder zu singen begannen.
Dieses Erlebnis hat mich und das Vertrauen in meine musikalischen Fahigkeiten so tief verletzt, dass ich mir in den folgenden Jahren insgeheim immer wünschte, ich könnte auch singen wie alle anderen Menschen. Das vernichtende Urteil dieses Lehrers traute ich mir in meiner gesamten Schulzeit und vieler weiterer Jahre nicht mehr in Frage zu stellen. Jedes Mal wenn mich jemand auf das Singen ansprach, läuteten bei mir alle Alarmglocken. Ich lehnte kategorisch jede Teilnahme ab, da ich eine solch tiefe Blamage, die ich mit dem Singen erlebt hatte, vermeiden wollte.
So durchlief ich die Schule, meine Ausbildung und danach die Universität. Ich stellte fest, dass ich mich nicht traute, vor Menschen zu sprechen und dadurch gehandicapt war. Alle Situationen, in denen ich mich verbal äussern musste, waren geprägt durch meine leise Stimme. Immer wieder nahm ich Hinweise wahr, die mich auf die Musik und den Gesang aufmerksam machten, aber ich unternahm keine Anstrengungen in diese Richtung, da ich das Thema Stimme und Singen aus meinem Leben ausgeklammert hatte.
Nach dem Studium jedoch bemerkte ich, dass ich Menschen durch meine Stimme begeistern konnte. So begann ich, verschiedene Produkte zu verkaufen, die mir selbst bei diversen gesundheitlichen Problemen halfen oder geholfen hatten.
Mein Lebensweg führte mich im Jahre 2001 zu einer indianischen Schamanin aus Paraguay. Durch diese Frau erkannte ich plötzlich den tieferen Sinn der vielen kleinen und manchmal größeren Hinweise mich der Arbeit mit meiner Stimme zuzuwenden.
Einige Zeit später wurde ich zu einer Jubiläumsfeier eingeladen, bei der ein Musiker auftrat, der sich intensiv mit Obertönen und anderen Formen des Tönens beschäftigte. Als ich hörte, wie er Klänge, Töne und Obertöne erzeugte, spürte ich, wie mich diese Art der Musik ganz tief berührte. In dem Moment wurde mir klar,dass diese Art mit Tönen umzugehen, ganz tief in mir angelegt war und dass ich das Obertönen auch lernen wollte.
Dieses sog. Tönen war für mich nicht mit Singen verknüpft und somit konnte ich an der Öffnung meiner Stimme arbeiten. Bei eine Einzelstunde stellte dieser Obertonmusiker fest, dass ich über einige wichtige Grundkenntnisse des Obertonsingens bereits verfügte und somit sofort einzelne Obertöne hörbar machen konnte.
Nachdem ich ihm meinen musikalischen Werdegang erzählt hatte, sagte er mir, dass ich mit meiner traurigen Geschichte nicht alleine dastehen wurde. Seiner Erfahrung nach hatten sehr viele Menschen ähnliche Geschichten in der Schule, im Elternhaus oder in der Jugendzeit erlebt und sich auf diese Weise von ihrem Kraftpotential „Stimme“ abgetrennt. Durch diesen Gesangslehrer erkannte ich den tieferen Sinn meiner Erlebnisse aus der Kindheit. Auf diese Weise kann ich die vielen Menschen verstehen, die sich aus ähnlichen Gründen ihre Stimme nicht in vollem Maße gebrauchen trauen.
In den folgenden Jahren bin ich unabhängig von meinem Aufenthaltsort immer wieder über Informationen „gestolpert“, die mir die Wichtigkeit und die Tragweite des „Tönens“ ‐ der Erzeugung von Klangen und Tönen mit der eigenen Stimme ‐ in Erinnerung riefen.
Mein Lebensweg führte mich kreuz und quer durch die Welt. Nach weiteren „Irrungen und Wirrungen“ in meinem Leben stellte ich mir 2008 ein weiteres Mal die Frage, wie ich an meiner Lebensaufgabe arbeiten konnte. EinTreffen mit Tom Kenyon (einer der bekanntesten Klangheiler der Welt) in Wien bestärkte mich darin, mit dem Tönen auf der richtigen Spur zu sein. Es traten mehrere Musiker in mein Leben, die sich mit dem „Tönen“ auf die eine oder andere Weise beschäftigten. Sie alle bestärkten mich darin, mit Menschen zu tönen.
Die erste Gruppe wurde bereits begeistert angenommen. Innerhalb weniger Wochen stieg die Teilnehmerzahl und es kamen weitere Gruppen dazu. Im In- und Ausland wurde ich ermuntert mit meiner Arbeit fortzufahren.
Jede Tön‐Veranstaltung bestärkt mich in meinem Tun. Wenn ich beobachten darf, wie Menschen nach dem Tönen mit strahlenden Augen den Raum verlassen, ist dies jedes Mal ein grosses Geschenk.
Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Aufgabe erfüllen darf.
Mein Anliegen/Traum lautet:
Ich bin der Ton, der die Menschen an Ihre Schöpferkraft, ihr Potenzial und ihre Kreativität in ihrer Stimme erinnert!
Ihr Obertonwanderer Michael R. Prechtl